Chronik St. Seb. Ehrang

VORWORT

Im Wandel der heutigen Zeit ist es vielen Schützenbruderschaften ein Bedürfnis sich mit ihrer eigenen Geschichte und ihrem Selbstverständnis auseinander zu setzen. Viele durchgeführten Recherchen lassen Vergleiche zu. Auch ist es möglich die Ergebnisse der unterschiedlichen Bemühungen wie Puzzlesteine zusammenfügen. Dabei werden inhaltliche Parallelen aber auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen in der Bundesrepublik deutlich. Ursächlich hierfür sind die stattgefundenen facettenreichen politischen Einflüsse, die in den vergangenen Jahrhunderten in unserem Land gewirkt haben.

Die besonders weit zurück zu verfolgende Historie unserer St. Sebastianus Schützenbruderschaft Ehrang kann mit Stolz betrachtet werden. Für jedes Mitglied unserer Bruderschaft sollte daraus die besondere Verpflichtung erwachsen, die in Jahrhunderten entstandene Tradition zu achten und daran mitzuwirken, dass sie fortgeführt wird.

Die folgenden Ausführungen sollen sowohl einen Einblick in die Historie des Schützenwesens im allgemeinen geben, als auch die Entstehung und Entwicklung unserer Bruderschaft bis zum Ende des 20igsten Jahrhunderts aufzeigen.

Die Darstellung wird ergänzt durch Ausführungen des Brudermeisters, Dieter Römer, zur jüngsten Entwicklung der Bruderschaft.

Die Broschüre soll den an der Bruderschaft Interessierten zur Information dienen im weiteren einen knappen Überblick über die praktischen Belange der Schützenschwestern und Schützenbrüder geben.

Historie der Schützenbruderschaft Ehrang

Der älteste greifbare urkundliche Hinweis auf das Bestehen der Schützenbruderschaft in Ehrang ist eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1486. Damals schenkte der Hochgerichts- und Grundherr von Ehrang, Erzbischof und Kurfürst Johann II. von Trier, den Schützen von Ehrang ein Feld in der Größe von einem halben Morgen. Das Original der Schenkungsurkunde existiert nicht mehr. Eine beglaubigte Abschrift der Urkunde ist jedoch im Landeshauptarchiv in Koblenz vorhanden.

Historische Urkunde
Historische Urkunde

 

Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

„Wir, Johann, von Gottes Gnaden Erzbischof zu Trier, des heiligen Römischen Reichs in Welschenlanden und Erzkanzler und Kurfürst, thun kund und bekunden öffentlich an diesem Brieve, daß Wir von besunderer unsern Gnaden, Gunst und Willen, so wir zu unseren lieben getreuen, den Schützen und unsern Bürgern in unserem Flecken zu Yrank haben, und umb das sie sich rüstiger gehalten, auch zu weyter ermehrunge, und uns, unserm Stift desto werlicher und standlicher zu dienen gewilliget werden mögen, denselben Schützen gemeynlich, so wir aller beständlichst können und mögen, zugestalt aufgetragen und gegeben haben ein unser Feld umb ein halben Morgen haltende in Eranger Marken gelegen, auf eine Seite langs den Graben an dem Geiß Werde ( = Geißwerth) herab, bis uf den Staden der Moselen und die andere Seite, der gemeinen Erben geben, uftragen und zueigen sie und ihren Nakommen, daß auch für uns und unser Nakommen und Stifte in Krafte dieses Briefes also, dass sie in fürter zu ewigen Tagen dasselbe Feld haben, gebrauchen und benutzen sollen und mögen gleich anderen, das zu ihrer Bruderschaft und Gesellschaft gehöret, an unseren, unser Nakommen oder jemands in unser longen Hindernisse und Irrunge oder Wiedersprüche in einige Weise sonder Gefehrde. Und des zu Urkund hann Wir unser Insiegel an diesen Brief thun henken, der geben ist zu Palzel am Mittwoch nach dem Sonntag Exaudi nach Christi Geburth, tausend vierhundert achtzig und den sechsten.“

Die Schützenbruderschaft darf aus dem Inhalt der Schenkungsurkunde mit absoluter Gewissheit ableiten, dass es bereits im Jahr 1486 die Gilde der Schützen in Ehrang gab. Die Gründung war vermutlich etliche Jahre vorher erfolgt. Die grundsätzliche Voraussetzung für die Gründung einer Gilde oder Bruderschaft in einer Ortschaft war jedoch, dass die Gemeinde in der solches geschah die Stadtrechte besaß.

Im Jahr 1346 hatte Kaiser Karl IV. dem kleinstädtisch wirkenden Ort Ehrang gemeinsam mit einigen anderen Gemeinden in einem Sammelprivileg die Stadtrechte verliehen. Zuvor hatte Erzbischof Balduin für eine kleinstädtische Entwicklung gesorgt, indem er die an Ehrang vorbeiführende Landstraße durch den Ort leiten und Wehrmauern und Tore errichten ließ.

Handel, Handwerk und Marktwesen waren bereits zu dieser Zeit entstanden. Um die kleinstädtischen Orte vor Überfällen und Verwüstungen durch fremde Streitkräfte zu schützen, förderten die jeweiligen Landesherren und Kirchenfürsten in ihren Städten die Vereinigung der Bürger zu Bürgergarden. In unserer Region schlossen diese sich als kirchliche Bruderschaften zusammen. Viele dieser Bruderschaften wählten den heiligen St. Sebastianus zu ihrem Patron.

Um für den Fall von Gefahren gerüstet zu sein, hielten die Schützen regelmäßig Wehrübungen ab. Schieß- und Übungsplatz in Ehrang war zu dieser Zeit der „Schützengarten“, ein unmittelbar an der „Ringmauer“ und dem „Graben“ grenzendes Gelände im Bereich des Marienfeldes.

Aus entsprechenden Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass Ende des 16. Jahrhunderts ein Veteran existierte, der als Torwächter fungierte. Er war der damalige Ausbilder der Schützen und wurde als der „Kriegsmann vor der Pforten“ (nämlich vor der Brückenport) bezeichnet.

An der angrenzenden Ringmauer stand ursprünglich die Statue des St. Sebastianus. Bedauerlicherweise wurde sie zu einem nicht mehr bekannten Zeitpunkt verkauft. Eine später im Jahr 1870 neu erworbene Statue von St. Sebastianus wurde in der Kirche St. Peter aufgestellt und sollte den Verlust der alten wettmachen.

Die Verehrung des Bruderschaftspatrons erfolgte auch in dem alten nicht mehr vorhandenen steinernen rechten Seitenaltar der Kirche St. Peter. In der Mitte dieses Altares befand sich unten ein Bild vom heiligen Hubertus, der eine längere Zeit neben St. Sebastianus auch Bruderschaftspatron der Schützen war. Ihm war sogar eine kleine Kirchenglocke geweiht. Oben, in der Mitte des Altares, befand sich das Abbild des heiligen Johannes des Täufers. An dessen Seiten waren St. Sebastianus und der heilige Rochus, der wie St. Sebastianus auch als Nothelfer gegen die Pest angerufen wurde, dargestellt.

Im Stiftungsbuch und im Lagerbuch sowie in den anderen Archiven der Pfarrei St. Peter finden sich wertvolle Hinweise auf die Aktivitäten der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Ehrang. So ist festgehalten, dass die Schützenbruderschaft stets am Namenstag des heiligen Sebastianus, am 20. Januar eines jeden Jahres, ein feierliches Jahrgedächtnis mit anschließendem Festakt für die Mitglieder abhielt. Gleiches war auch anlässlich der Patronatsfeste der anderen Ehranger Gilden und Bruderschaften üblich. Von ihnen wurde für die kirchlichen Feiern Messgebühren verlangt, während die Schützen nichts zu zahlen brauchten. Es könnte sein, dass es damals eine sogenannte „fromme Stiftung“, aus der die Messgebühren der Schützenbruderschaft bezahlt wurden, gab. Es ist jedoch auch möglich, dass die Gemeinde den Schützen als Gegendleistung für ihre Dienste an der Allgemeinheit die Messgebühren zahlte.

Schon Pfarrer Johann Joseph Cramer (1744 -1794) notierte in dem von ihm angelegtem Stiftungsbuch, in dem er auf ältere Stiftungen, wie die unter Pfarrer Gerhard Vietor (1700- 1729), Bezug nimmt: „Woher es aber komme, dass die Kirche diese Bruderschaftsmeß jährlich Herrn Pastori zahle, oder ob die Bruderschaft solches oder ein Privater an die Kirch gestiftet hat, findet sich nicht schriftlich“. Pastor Cramer erhielt nach alten Rechnungen für seine Dienste im allgemeinen 16 Albus, 4 Albus wurden an den Küster gezahlt.

Die ursprüngliche Satzung der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft ist nicht mehr erhalten. Wie stark sie jedoch durch die damalige christliche Weltanschauung geprägt war, wird in der am 16. August 1602 erlassenen Ordnung des Pfalzler Amtmanns Johann Jakob von Eltz deutlich. Die Ordnung wurde alljährlich anlässlich des Patronatsfestes der Schützenbruderschaft öffentlich vorgelesen:

“Ein Schütz muss schwören, dass er zuvorderst Ihro Kurfürstlichen Gnaden, unserm gnädigsten Kurfürst und Herrn, zweitens einem hochwürdigen Domkapitel als unserm gnädigsten Erbherrn am Erzstift, drittens einem zeitlich gnädigen Herrn Amtmann, viertens einem Meier oder in dessen Abwesenheit dem Meiereiverwalter als nachgesetzter Obrigkeit, fünftens einem zeitlichen Ober- und Unterschützenmeister in Gebot und Verbot, im Zug und sonst allen gebührenden Sachen gehorsamen wolle, und zwar: allen Bruderschaftsartikeln und Statuten gehorsamst nachleben und selbiger Bruderschaft Renten und Einkommen bestens in Obacht zu nehmen.

Danach ließ man den jungen Schützen zwei Finger ausstrecken und folgendes nachsagen:

Alles, was mir jetzt ist vorgehalten worden, das hab ich wohl verstanden, gelobe und verspreche auch, demselben gehorsamst nachzuleben und nachzukommen, so wahr als mir Gott hilft und das heilige Evangelium.“

Anlass für die damalige neue Ordnung gab es in vielfältiger Weise. Nicht nur, dass beim Schützenfest die Wogen der Freude und Ausgelassenheit sehr hoch gingen. Vor allem kam es nicht selten bei den dabei erfolgten nächtlichen Gelagen zu Ausschreitungen.

Seit eh und je war es Brauch nach der Ehrung des Schützenmeisters und nach dem nachmittäglichen kirmesähnlichen Treiben bei Musik, Tanz und Trank noch lange zusammen zu sein. Nach der Überlieferung loderte der Funke des Streits vor allem dann auf, wenn hitzköpfige Pfalzler und Ehranger Schützen aneinander gerieten. Bis heute erhalten sich Erzählungen, wonach sich die Streithähne vor dem Brückentor, auf dem Wege nach Pfalzel (in der heutigen oberen Kyllstraße), weiter miteinander bis in die Kyll hinein balgten, wo dann das Wasser des Flusses „der Raufenden Mütchen“ kühlte.

Als Barriere gegen solche allzu menschlichen Verfehlungen, vor allem als Regelwerk für die Lebensführung der Schützen im allgemeinen, stellte die Ordnung von 1602 verbindliche Gebote auf:

„Es soll unter den Schützen Zank und Hader vermieden bleiben, und wenn sie beisammen sein, durch sich selbsten oder von der Obrigkeit aufgeboten, sollten sie sich friedlich und einig verhalten und keinen Zank oder Hader unter sich erwecken noch sich mit Worten beschmähen oder mit der Tat aneinander wachsen. Und wer darwider handelt, soll den Schützen zwehn Goldgulden verfallen sein. Wenn aber das Verbrechen zu hoch oder sogar freventlich, soll dem Herrn Amtmann willkürlich Straf vorbehalten sein.

Um Sachen willen, die sich unter den Schützen zutragen oder begehen, wenn sie beisammen sind, oder wenn sie aufgemahnet oder im Zug waren, einer oder mehr sich wider die Gebühr vergriffen haben mit Worten oder Werken, die strafbar, sollen Schützenmeister und Gemeindeschützen solches beizulegen und zu vergleichen mittels einer gebührlichen Strafe gegen den Verbrecher Macht haben.

Wenn aber die Sach, darum die Straf vorgenommen, hochwichtig, oder derjenige, so in Straf genommen, der übermäßig zu beklagen Fug hätte, soll des Herrn Amtmanns Verkündnis darüber erwartet werden. Wenn die Schützen unter sich ein Gebot machen und das Gebot den Schützen erreicht und dann gesagt wird, soll der Ausbleibende einen halben Sester Wein geben (ein Sester ist eine mittelalterliche Maßeinheit und entspricht 15 Litern, folglich musste der getadelte Schütze zur Strafe 7,5 Liter Wein ausgeben). Wenn aber von der Obrigkeit den Schützen geboten wird, soll der Ausbleibende nach Gelegenheit des Verbrechens den Schützen und der Obrigkeit verfallen sein, da soll es bei einem halben Sester Wein für die Schützen in einem solchen Falle nicht gelassen werden.“

Die nachfolgenden Vorschriften galten bruderschaftlichen Zusammenkünften, Festen und Sachpflichten:

„Die Bruderschaftszusammenkunft auf St. Sebastianitag soll mit Kirmgang und anderen Zeremonien, mit Anhörung der Rechnung wie von alters löblichem Herkommen gehalten werden. Auch der andere Tag der Schützenzusammenkunft auf Sonntag Exaudi (Der Sonntag vor Pfingsten) soll wie von alters her mit sämtlicher Anklag gegen Abwesende und Gegenwärtige gehalten werden. Es ist auch allzeit auf den Sonntag Exaudi bräuchlich gewesen, dass die Schützen nach der Schießscheibe geschossen haben, welcher dernächst beigeschossen, der ist das Jahr für ihren Schützenmeister gehalten worden. Dem alten Herkommen nach muss einer den Brüdern zum Willkommen geben vier Sester Wein (60 Liter Wein musste der Schützenkönig ausgeben), wenn er zum Schützen angenommen wird, er muss auch Büttel sein und einen Sester Wein geben, wenn er ankommt (anlässlich der Aufnahme in die Bruderschaft musste das neue Mitglied 15 Liter Wein ausgeben und als Mundschenk die Bruderschaft bedienen), und auch einen Sester Wein, wenn er abkommt (auch musste das Mitglied beim Ausscheiden aus der Bruderschaft 15 Liter Wein ausgeben), und wenn er durch den Meier (Kassenwart) bei der Bruderschaft geeidigt wird, muss er auch geben einen Sester Wein (Wenn das neue Mitglied vereidigt wurde, musste es abermals 15 Liter Wein ausgeben). In der Hauptsach muss ein Schütz von alters her nein Dahler und ein Hamm Fleisch als Einkommen geben.“

Als die Franzosen erstmals im Jahre 1673 Ehrang verwüsteten und im Jahr 1689 abermals den Ort mit Fackeln in Brand setzten, konnten die Schützen ihre aus dem Gründungsauftrag herrührende Pflicht Gefahren abzuwehren nicht mehr gegen den mit größeren Heeresgruppen kriegsmäßig operierenden Feind in die Tat umsetzen. Von einem Einsatz der Schützen auf den Wehrmauern und in den Straßen ist nichts überliefert. Gleiches gilt für die Zeit des 30jährigen Krieges sowie die Zeit während der Erbfolgekriege.

Die zum Selbstschutz berufene Bürgergarde war gegen die neuen kriegstüchtigen Söldnerheere, die nach heutigem Begriff als Berufssoldaten zu bezeichnen waren, völlig machtlos. Von einzelnen Ehranger Schützen ist sicher mancher Einsatz gegen drängende Gefahren und zur Rettung von Leben und Habe der Ehranger Mitbürger erfolgt, es findet sich jedoch verständlicherweise nichts darüber in Chroniken erwähnt.

Zur überwiegenden Zeit verstanden sich alle Ehranger Bruderschaften als Ordnungskräfte im Gemeinwesen. Die Schützen hatten allerdings stets dabei von der Obrigkeit zugewiesene Pflichten. Ihre Aufgabe war außer der erwähnten Abwehr und Bewachung verbrecherischer Elemente z.B. auch die Überwachung der Marktordnung.

Der Ehranger Vieh- und Krammarkt war noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts eine Attraktion und über die Jahrzehnte immer gut besucht. Über seine wirtschaftliche Bedeutung hinaus war er auch für das Umland stets ein gesellschaftliches Ereignis. Im Wirbel des Marktgeschehens hatten dabei die Schützenbrüder oft alle Hände voll zu tun.

Bei der Organisation der Prozessionen kam der Schützenbruderschaft die wichtige Aufgabe des Böllerschießens zu. In Ehrang, wie auch in vielen anderen Pfarreien des Trierer Landes wurde durch das Böllerschießen die Feierlichkeit der Prozessionen erhöht und ihnen ein festliches Gepräge verliehen. Auch diente das Böllerschießen der Prozessionsordnung. Bei der großen Länge der damaligen Prozessionen kam den Böllersignalen eine wichtige Funktion zu. Es gab kein anderes akustisches Mittel, um den entfernten Teilnehmern die Austeilung des Segens anzuzeigen. In einer im Jahr 1933 erfolgten Veröffentlichung wird der früher von den Schützen geleistete Brauch beschrieben:

„Beim ersten Böllerschuss bleibt die ganze Prozession stehen, bei den drei folgenden Schüssen wird der Segen gegeben, bei dem folgenden Böllerschuss setzt sich die Prozession wieder in Bewegung.“

In der Gemeinderechnung vom 10. Juli 1696 wurde in diesem Zusammenhang der folgende Posten vermerkt:

„den Schützen wegen Herrn Leichnamstag gegeben zwei fl. 12 alb“.

Die kurze Notiz besagt schlicht, dass die Schützen für ihre Dienste bei der Prozession den entsprechenden Lohn erhalten hatten. Allerdings hatten sich die Schützen auch bei drei Albus Strafe zur Teilnahme an den Prozessionen und kirchlichen Umzügen verpflichtet.

Mit dem ursprünglichen Leitgedanken der Schützenbruderschaften, die Heimat zu schützen, war auch stets die Förderung des Glaubens in den eigenen Reihen verbunden.

In einem Gebet im „Bruderschaftsbuch der uralten Bruderschaft des heiligen Märtyrers Sebastianus in der Stadtpfarrkirche St. Gangolf zu Trier“ von 1783 heißt es:

„Lasset uns den herrlichen Mann loben, dem der Herr viele Ehre gemacht hat; den Mann, welcher groß an Tugend und mit Weisheit begabet war; und da wir auf seinen Wandel schauen, lasset uns ihm in dem Glauben nachfolgen.“

Auch folgte ein Lobgesang mit dem Wortlaut:

„Tapfer hast du stets gekämpfet und den Seelenfeind gedämpfet. Dir wich seine Macht und List, die so manchem tödlich ist. Hilf uns diesen Feind bekriegen, hilf uns seIbigen besiegen. Denn wir überwinden nicht, wenn es uns an Hilf gebricht.“

Längst, bevor im 19. Jahrhundert die Häuser des Ortes die Ringmauer erreichten und sogar über sie hinauswuchsen, gab die Schützenbruderschaft den Schützengarten als Schießplatz auf und wählte statt dessen hierfür das Linkenbachtal. Über die Gründe dieser Verlegung ist nichts mehr bekannt. An der Linkenbach fand auch das alljährliche Preisschießen statt. Der Name „Schützengarten“ findet sich in amtlichen und nichtamtlichen Flurnamens-Verzeichnissen wieder. Er erinnert an den ersten Übungsplatz, während die amtliche Bezeichnung „Schützenwiese“ dem von Johann II. gestifteten halben Morgen Land gegeben wurde.

Höhepunkt des Bruderschaftsjahres war das an Pfingstsonntag, später auch an einem anderen Sommersonntag begangene Schützenfest. Hierzu wurden stets die vielen befreundeten Schützenbruderschaften eingeladen. Im Schützenhaus in der Brückenstraße erfolgte die Bewirtung und Logis der von weither angereisten Schützenbrüder. Nach Beginn des mit Spannung ablaufenden Ausschießens des Schützenmeisters ging es auf dem Schießplatz an der Linkenbach und in den dort eigens errichteten Essbuden und Trinkhallen hoch her. Fahrende Gaukler, Händler und Sänger hatten ihre Stände aufgeschlagen. Glücks- und Würfelspiele waren ebenfalls beliebte Attraktionen. In das farbige Getümmel der Menge mischten sich die bunten Schützentrachten der verschiedenen befreundeten Vereine.

Beim abendlichen Umtrunk ging es schließlich hoch her. Das fröhliche Treiben dauerte bis weit in die Nacht und oft sogar bis in den dämmernden Morgen hinein. Das vom neuen Schützenmeister ausgegebene Freigetränk trug einiges zur ausgelassenen Stimmung bei. Die gelegentlich von Unbeteiligten geäußerte Kritik zum dabei verursachten Lärm wurde von den Schützen ignoriert.

Nach den Aufzeichnungen von Nikolaus Mohr aus dem Jahr 1930 die, weil einige der damals noch vorhandenen Belege nicht mehr existieren, Quellenwert besitzt, kauften die Schützen zur Patronatsfeier am 26. Januar 1773 auf Kosten der Bruderschaftskasse bei Johann Badern ein Ohm (Weinmaß in Preußen = 137,4 Liter) und zwei Krüge Trank zum Preis von sechs rheinischen Talern und 45 Albus ein. Etwa sechzig Jahre später begann dann die Zeit der großen Festgelage. So gab es Belege, wonach z.B. am 11. Februar 1836 der damalige Schützenmeister Caspar Eichhorn den Verzehr der Männer zum Preis von 5 Talern und 25 Silbergroschen bezahlte. Drei Tage später, am 14. Februar 1836, lies sich der selbe Schützenmeister auch noch im Kreise der Schützenweiber zu Kosten in Höhe von 4 Talern und 22 Silbergroschen feiern. Am 25. Januar 1880 kostete das Festessen den damaligen Schützenmeister 110 Mark.

Die nach der Französischen Revolution und anschließenden Besetzung nach 1794 aufgetretenen gesellschaftlichen, kirchlichen und staatlichen Veränderungen wirkten sich auf die St. Sebastianus Bruderschaft gravierend aus. Das Kurfürstentum Trier stürzte in den Untergang. Mit der alten feudalen Ordnung zerbrachen die bisherigen rechtlichen und dringlichen Bedingungen der Untertanen. Das neue bürgerliche Recht wurde im Code Napoleon definiert. Die sogenannte „Franzosenzeit“ brachte der Bevölkerung zu Anfang keine Erweiterung ihrer Rechte sondern eher deren Beschneidung. Die Auswirkungen der Kriegszeiten, die Besatzung sowie die damit einhergehende Not bedrückten die Menschen.

Die Schützenbruderschaft verlor infolge der Entwicklung ihre sämtlichen Liegenschaften, die in den Besitz der neugegründeten Vereinigten Hospitien Trier übergingen.

Nach der Besatzungszeit durch die Franzosen veränderte sich in den folgenden Jahrzehnten schleichend wie die gesamte Gesellschaft auch der Charakter der Schützenbruderschaft. Die in den Jahrzehnten vorher eher auf die Vertiefung des Glaubens ausgerichtete Gemeinschaft wandelte sich im Sinne einer sozial und caritativ tätigen Bürgergilde. Von der katholischen Kirche wurde dies als Gegenpol zu der politischen Entwicklung des Nationalsozialismus und des Kommunismus im Sinne einer wirksamen Kraft gegen den Sittenverfall und den Glaubensschwund unterstützt. Dem Begriff des Wortes „Schütze“ wurde eine neue Bedeutung gegeben. Unter Schutz wurde das Schutzgeben, die Verteidigung von Werten und das Bekenntnis zum Glauben gesehen.

Der Leitsatz der Neuzeit „FÜR GLAUBE, SITTE UND HEIMAT“ wurde geprägt. Er wurde zum Oberbegriff der neuen Ordnung. Darauf basierend, dass St. Sebastianus, der Patron der Schützen, unseren Vorfahren Fürbitter und Nothelfer gegen die Pest und andere ansteckende Krankheiten war, leisteten die St. Sebastianus Schützenbruderschaften fortan untereinander Beistand und lebten aktiv den Begriff Bruderschaft. Es gab zu dieser Zeit noch keine Darlehnskassen, Krankenkassen oder Sozialhilfeleistungen. Die Verpflichtung zum oft lebenswichtigen Beistand war daher ausdrücklicher Bestandteil der Bruderschaftsordnung. Notwendige Hilfe sollte nicht an menschlicher Schwäche und Bequemlichkeit scheitern.

Die am 20. Januar 1818 erneuerte Satzung verlangte daher unter anderem:

„Erkrankt ein Bruder, so hat er darüber sofort dem Schützenmeister Anzeige zu erstatten, und alle Brüder sind gehalten, den Kranken zu besuchen. Hat er ein Bedürfnis nach Speise oder Trank, so muss jeder unter Strafe von 24 Albus es erfüllen. Wenn ein Bruder, der sich durch Unvermögen nicht helfen kann, erkrankt, verbünden sich unter dem Schützenmeister und den zwei ältesten Schützen die übrigen Brüder und steuern standesgemäß bei. Die Strafgelder müssen zum Wohle bedürftiger Schützenbrüder verwendet werden. Die Bruderschaft zahlt jährlich 10 Franken zur Einkleidung eines bedürftigen Kommunionkindes, wobei Kinder der Brüder den Vorzug haben“.

Bezeichnend für das bruderschaftliche Selbstverständnis war aber, neben der finanziellen Unterstützung, die persönlichern Zuwendung, der Besuch und der Zuspruch. Zuwendungen in Geld, das die Bruderschaft häufig auch als Darlehn zu mäßigern Zins gewährte, bildeten nur eine der möglichen Hilfen.

Im 19. Jahrhundert wurde das Patronatsfest des St. Sebastianus in alter Tradition, jedoch nicht wie vorher am 20. Januar eines jeden Jahres, sondern häufig einige Tage später gefeiert. Ein Blick in die alten Mitgliederlisten genügt, um zu sehen, dass sich in der Schützenbruderschaft sehr angesehene Repräsentanten des Ortes zusammengefunden hatten. Wir finden die Namen von Handwerkern, Bauern und Winzern sowie den Finanzverwaltern der Gemeinde sowie Schöffen. Die Bruderschaft war nach strengen Vorgaben auf 20 Mitglieder beschränkt. Durch die geringe Zahl wurden unerwünschte Mitglieder ferngehalten. Nach 1830 wurde der Kreis auf 25 Mitglieder, im Jahre 1861 auf 30 Mitglieder erhöht.

Aus den ersten Jahrzehnten nach 1900 ist leider nichts schriftliches mehr vorhanden. Die Mitgliederzahl war damals auf 30 Schützen begrenzt. Das Patronatsfest wurde weiterhin am 20. Januar, am St. Sebastianustag, begangen. Seinerzeit befand sich das Schützenhaus in der Brückenstraße. Es wurde später als Spritzenhaus genutzt. Der Schießstand war weiterhin noch im Linkenbachtal, wo auch jedes Jahr das Schützenfest stattfand. Die Schützenfeste wurden sehr ausgiebig gefeiert und dauerten mehrere Tage.

Anlässlich der kirchlichen Feiertage (Fronleichnam, Peter und Paul) beteiligten sich die Schützenbruderschaft traditionell an den stattfindenden Prozessionen. Der damalige Fahnenträger, Johann Eichhorn, genannt Eichhorns Haans, trug dabei eine Dreispitzhut. Damaliger Brudermeister war Bernhard Hommens.

Die Bruderschaft hatte zu dieser Zeit wenig Zuspruch, immer weniger Mitglieder traten ein. Dieses Phänomen trat mehrfach in der Geschichte der Bruderschaft auf. Nicht immer war eine Blütezeit für die Schützen. Das lag nicht nur an den die Bruderschaft lenkenden Persönlichkeiten, sondern auch an den krisenhaften Zeiten in der jahrhundertealten Geschichte Bruderschaft.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam das Schützenleben fast zum Erliegen. Letztmalig im Jahr 1918 wurde das Patronatsfest in der alt überlieferten Art und Weisegefeiert. Danach trat infolge der Auswirkungen des Krieges eine längere Pause ein.

Am 25. Februar 1932 belebte sich die Bruderschaft wieder. Zehn alte Schützenbrüder sowie zahlreiche angesehene Bürger fanden sich zusammen, um das Schützenwesen wieder zu pflegen. Leider war kein Vereinsvermögen mehr vorhanden. Das damalige Gasthaus Concordia wurde Vereinslokal der wiederbelebten Bruderschaft. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 1,40 Reichsmark festgesetzt. In einer der ersten Versammlungen wurden sechs Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt. Das war Johann Eichhorn, Joh. Peter Wagner, Joh. Math. Wagner, Anton Schmitt, Math. Wagner-Wollscheid, und Joh. Metz.

Am 04. März 1934 wurde erstmals auf eine große Ehrenscheibe geschossen. In den folgenden Jahren traten 15 neue Mitglieder der Bruderschaft bei. Dechant Ziegenhagen war damaliger Präses der Bruderschaft.

In den Jahren 1934 und 1935 wurde aus gestifteten Silbermünzen die Königskette und für die Königin ein Diadem angefertigt. Ferner wurde beschlossen, dass künftig jeder König und jede Königin ein Silberstück für die Kette stiften müssen. Ein erstes Königsschießen erfolgte daraufhin am 25. August 1935. Josef Ranaletta war der glückliche Schütze. Die anschließende Krönungsmesse fand in der Pfarrkirche St. Peter statt.

Es war die Zeit des Nationalsozialismus. Dies führte dazu, dass infolge der Auswirkungen des damaligen politischen Zeitgeistes am 13.05.1936 sechzehn Mitglieder in den Reichsbund für Leibesübungen wechselten. Dies hatte zur Folge, dass die Bruderschaft zersplitterte und nach der Teilung nur noch aus einunddreißig Mitgliedern bestand.

In der Zeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fanden noch zwei Schützenfeste statt. Vielleicht war es Frust oder aber Galgenhumor, der die verschworenen übrig gebliebenen Schützenbrüder dazu bewog beim Königsschießen des Jahres 1936 mit regelwidrigen Steinwürfen dafür zu sorgen, dass der Adler beim „gut betuchten“ Schützenbruder Heinrich Binz, der seinerzeit eine Bauunternehmung betrieb, fiel und er zur Freude aller der Schützenkönig wurde.

Die auswärtigen Schießveranstaltungen wurden zu Anfang noch besucht, wobei manch schöner Preis nach Ehrang ging. In Ehrang wurde jeden Monat ein sogenanntes Pflicht- und Opferschießen zu Gunsten des Winterhilfswerkes (WHW) oder für sonst einen guten Zweck ausgetragen.

Was in den Jahren von 1934 bis 1939 von der Bruderschaft noch mühsam aufrecht gehalten wurde, lag zu Beginn des Krieges am Boden. Während die jüngeren Mitglieder in den zweiten Weltkrieg ziehen mussten, hielten einige der alten Mitglieder die Bruderschaft aufrecht. Sie gaben die aus dem 18.Jahrhundert stammende grünseidene Fahne der Bruderschaft in die Obhut der Katholischen Kirche. Bei der heutigen Fahne handelt es sich um eine, die von Brudermeister Bernard Hommens bereits vor dem Ersten Weltkrieg angeschafft wurde.

Der Krieg und die anschließende Besatzung durch die Franzosen ging vorbei. Bereits im Jahr 1948 setzten sich der Kölner Kardinal Dr. Joseph Frings und Dr. Konrad Adenauer für eine schnelle Wiederzulassung der Historischen Schützenbruderschaften ein. Sie wiesen die Besatzungsmächte darauf hin, dass es sich bei diesen in keinem Falle um paramilitärische Vereinigungen handelte. Die vorgebrachten Argumente und Beweise überzeugten, so dass durch die englischen und amerikanischen Besatzer als erste Vereinigung die Historischen Schützen nach dem Kriege zugelassen wurden. Die Schützen durften wieder in ihren bunten Trachten – allerdings ohne Degen und Gewehr – in der Öffentlichkeit auftreten. Die französischen Behörden folgten mit der Erlaubnis im Jahr 1949.

Nach der Wiederbegründung stiftete der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Konrad Adenauer, dem Historischen Schützenbund eine neue Bundesstandarte (die zweite Standarte des Schützenbundes). Diese Standarte wurde bis zum September 1984 beim jährlichen Bundesfest an den jeweiligen Repräsentanten der gastgebenden Stadt weitergegeben, der sie dann für ein Jahr in seine Obhut nahm. Wegen Verschleißschäden wurde diese historische Standarte archiviert und mit Hilfe der Stadt Trier und der Stadtsparkasse Trier konserviert. Heute ist sie als ständige Leihgabe des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e.V. Köln im Dormitorium der Stadt Trier ausgestellt.

Ab 1951 wurde das Schießen mit dem Luftgewehr erlaubt und ab 1952 auch wieder der traditionelle Schießsport mit dem Kleinkalibergewehr.

Im Jahr 1952 fanden sich wieder einige Männer, um Schießsport zu betreiben. Sie schlossen sich in der Annahme, dass Schützenvereine verboten und nur Turnvereine erlaubt sind, zu Anfang dem Turnverein Ehrang an. Es waren die Schützen Franz Döpp, Ludwig Pfeifer, Karl Loosen, Josef Plunien, Josef Adams, Emmerich Huberti, Hans Dupre, Josef Ranaletta, Leo Scheuer, Hubert Schröder. Auf Antrag wurde ihren jedoch am 27. September 1953 die entsprechende behördliche Genehmigung zum Betreiben des Schießsportes erteilt. Bereits am 18. Januar 1954 erfolgte daraufhin die erste Generalversammlung der wieder neu belebten St Sebastianus Schützenbruderschaft Ehrang.

In den Jahren 1952 und 1953 wurde sowohl in der früheren Kegelbahn des Gasthauses Reichert in Quint, als auch auf dem damaligen Schießstand der Bahnpolizei im Wallenbachtal geübt. Danach bei Schützenbruder Josef Ranaletta neben dessen Gasthaus, dem heutigen „Schützenhof“ in der August-Antz-Straße.

Die neue Bruderschaft hatte wachsenden Zuspruch und nun wieder 20 Mitglieder. Gemeinschaftlich wurde beschlossen einen neuen Schießstand zu bauen. Brudermeister Karl Losen stellte hierfür sein Gelände am Laacher Weg zur Verfügung. Schützenbruder Eduard Weber erbaute den Stand unter Beachtung aller bekannten Sicherheitsanforderungen. Verbunden mit der 475Jahrfeier der Bruderschaft erfolgte schon am 10. Juli 1955 die Einweihung des Schießstandes. Ab diesem Zeitpunkt wurde vermehrt Schießsport betrieben und Vereinsmeisterschaften, Bezirks- und Diözesanmeisterschaften auf dem neuen Schießstand ausgerichtet. In der Folgezeit verzeichnete die Bruderschaft viele sportlichen Erfolge. Bezirksmeister, Diözesanmeister, sogar Bundessieger gingen aus der Bruderschaft hervor.

Die im Jahr 1968 im Zuge der Gebietsreform erfolgte Eingemeindung der bis dahin selbstverwalteten Ortsgemeinde Ehrang hatte keinerlei Auswirkungen auf das weitere Vereinsgeschehen.

Im Jahr 1976 trat die mittlerweile schießsportlich leistungsorientierte Schützenbruderschaft auch dem Deutschen Schützenbund bei. Auch in den dortigen Wettkampfdisziplinen und Liegen blieben die Erfolge nicht aus. Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaftstitel wurden errungen. 1978 kam es zur Gründung der Damenabteilung, die sich ebenfalls in Wettkämpfen schnell erfolgreich zeigte.

Am 14. Juni 1980 feierte die Bruderschaft mit einem großen Festzug und der Vorführung der nachempfunden historischen Landschenkung von 1486 ausgiebig ihr 500jähriges Bestehen.

Im Jahr 1982 wurde der Beschluss für den Neubau eines den gewachsenen Anforderungen entsprechenden Schießstandes gefasst. Die Anlage sollte nicht nur Versammlungsstätte für die Mitglieder der Bruderschaft sein, sondern auch ein gleichzeitiges Training in den zwischenzeitlich angebotenen verschiedenartigen Schießdisziplinen ermöglichen.

Unter Beachtung der verschärften immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen im Bezug auf Schießstätten wurde von der Stadtverwaltung Trier der Bruderschaft ein, im Zuge der Baumaßnahmen der Autobahnanbindung nach Luxemburg gesichtetes geeignetes Grundstück im Wallenbachtal zur Verfügung gestellt. Nach im Herbst 1982 auf dem besagten Terrain durchgeführter Rodungsarbeiten, erfolgte am 15. Juli 1983 bei gleichzeitiger nachvollzogener Grundsteinlegung das Richtfest des Rohbaus der Schießsportanlage.

Aufgetretene bautechnische Mängel am Schießstand lösten gegenseitige Schuldzuweisungen aus und führten damit zu erheblichen Differenzen in der Bruderschaft. In der Folge kamen, bis die Fehler und Mängel in einem Rechtstreit geklärt waren, in der Zeit von 1983 bis 1985 die weiteren Bauarbeiten fast zum Stillstand. Infolge der Querelen verzichteten in der Jahreshauptversammlung am 27.03.1997 der damalige Brudermeister Heinrich Roth und sein Stellvertreter Martin Müller auf ihre weitere Kandidatur. Dies führte dazu, dass 40 Mitglieder aus emotionalen Gründen aus dem Verein austraten. Die führte dazu, dass die verbliebenen 41 Mitglieder die Finanzierung des Schießanlagenbaus nicht mehr alleine tragen konnten. Der neu gewählte Brudermeister, Dieter Römer, überzeugte viele, der in den Wogen der Auseinandersetzungen enttäuschten Ehemaligen, deren Herz jedoch weiter für die Bruderschaft schlug, wieder der Bruderschaft beizutreten und die Schießsportanlage fertig zustellen. Im Hinblick auf die sportlichen Möglichkeiten der neuen Anlage traten außerdem viele neue Mitglieder bei.

Im Jahr 1987 wurde die neue Schießstätte fertiggestellt und feierlich eröffnet. Zum Zeitpunkt der Eröffnung verfügte sie über einen 10 Meter-Luftgewehrstand mit zwölf Schießbahnen, einen 50 Meter-Gewehrstand mit sechs Schießbahnen und einen 25 Meter-Pistolenstand mit fünf Schießbahnen. Der optimierte sportliche Schießbetrieb konnte nunmehr beginnen. Interessierte am Pistolenschießen waren schnell gefunden und die Bruderschaft bekam entsprechenden weiteren Zuwachs.

Angesichts der zu diesem Zeitpunkt noch erheblichen Schuldverpflichtungen aus dem Neubau der Schießsportanlage sowie dem Bestreben den schießsportlichen Ambitionen der aktiven Schützen zu entsprechen, wurden neue Mitglieder geworben. Angesichts der schießsportlichen Möglichkeiten, die ihnen die neue Anlage bot, traten viele ambitionierte Schützen der Bruderschaft bei. Die neuen Mitglieder sahen jedoch weniger den historischen Ursprung und die Ideale der Bruderschaft, sondern wollten sich rein nur auf das sportliche Schießen konzentrieren.

Die anfängliche Skepsis gegenüber den neuen „Sportschützen“ wich nach dem diese ebenfalls mit Hand anlegten und sich in Arbeitseinsätzen für die Belange der Schießsportanlage zusammenfanden.

So erfolgte, nachdem der Brunnen der Schießsportanlage, aus dem das benötigte Wasser geschöpft wurde, infolge der gestiegenen Nutzung zu versiegen drohte, nach einem von der Jugendfeuerwehr durchgeführtem Wasserdrucktest im Jahr 1992 mit vereinten Kräften der Bau einer professionellen Trinkwasserleitung bis zur Schießsportanlage.

Die „Neuzeit“ unserer Bruderschaft erlebe ich seit dem Jahr 1987 als aktiver Pistolenschütze mit. Seitdem bin ich Zeitzeuge des bemerkenswerten Tatendranges unseres Vorsitzenden, Dieter Römer, im Bezug auf die Planung und die Umsetzung von baulichen Veränderungen und Erweiterungen unserer Schießsportanlage.

Einige der nicht mit Trachten ausgestatteten Mitglieder der St. Sebastianus Bruderschaft haben sich zur Dokumentation ihrer Verbundenheit mit den Idealen der Bruderschaft zwischenzeitlich ebenfalls für die Traditionspflege entschieden. Sie tragen daher ebenfalls Tracht und streben die Königswürde an.

Auch im Vorstand der Bruderschaft haben die „Sportler“ mittlerweile Verantwortung übernommen. Die Mitgliederzahl beträgt zur Zeit beachtliche 254 aktive und 25 inaktive Schützen, wobei zu keinem Zeitpunkt eine Unterscheidung zwischen traditionellen- und reinen Sportschützen vorgenommen wurde, da selbstverständlich alle in den von beiden Verbänden ausgerichteten Wettkämpfen teilnehmen.

(Roman Schmitz)

Ergänzende Ausführungen des Brudermeisters Dieter Römer:

Aufgrund der hohen Nachfrage nach den Sportpistolendisziplinen und zur Durchführung entsprechender Meisterschaften erfolgte auf Initiative des Vorsitzenden, Dieter Römer, im Jahr 1996 die Erweiterung des Pistolenstandes von 5 auf 10 Stände. Die Gesamtkosten für diese Baumaßnahme beliefen sich auf 87.243,- DM. An Eigenleistungen wurden von den Mitgliedern 29.610,- DM erbracht. Der Zuschuss des Sportbundes Rheinland für diese Baumaßnahme betrug 30.000,- DM und der Zuschuss der Stadt 1.300,- DM. Die Finanzierung der Maßnahme wurde durch einen zinslosen Kredit unseres Schützenbruders Heinz Rausch ermöglicht.

Die Überdachung und der Ausbau der Luftgewehrhalle erfolgte nach dem Aufstieg der Luftgewehrmannschaften in die Landesoberliga und Landesliga im Jahr 1999. Dank fleißiger Schützen, die vom Vorstand der Bruderschaft aufgrund ihres besonderen Engagements in entsprechender Weise geehrt wurden, betrug die Bauzeit nur wenige Wochen, vom 06.Juni bis zum 07.Oktober 1999. In 542 Arbeitsstunden konnte dabei ein Betrag in Höhe von 9.756,- DM erwirtschaftet werden. Durch Spenden der Mitglieder und einer Förderung des Sportbundes Rheinland und der Stadt Trier in Höhe von Gesamt 19.000.- DM sowie einem erneuten, von Heinz Rausch gewährten zinslosen Kredit stand die Finanzierung der Baumaßnahme.

Die Außen- und Schießbahnenbeleuchtung wurde in der Zeit vom November 2000 bis August 2002 vorbildlich gestaltet. Bei den dabei erforderlichen Sanierungsmaßnahmen wurde ebenfalls ein Teil der Elektrik fachmännisch erneuert und eine Alarmanlage installiert.

Da die Schießsportanlage mehrfaches Ziel von Einbrechern war und der Versicherungsschutz sich als problematisch darstellte, hatten die Maßnahmen zur Verbesserung des Einbruchsschutzes einen hohen Stellenwert.

Die Gesamtkosten der Maßnahmen beliefen sich auf 46876,50 DM. Der Zuschuss des Sportbundes Rheinland betrug 14 000,- DM. Von der Stadt wurden 6100,- DM gewährt und in Eigenleistung konnten 492 Stunden im Wert von 8856,- DM erbracht werden. Dank einer Spende in Form der Außenbeleuchtung durch Wolfgang Lex und einem erneuten zinslosen Kredit von Heinz Rausch erfolgte die Finanzierung der gesamten Maßnahme.

Die Bruderschaft ist mittlerweile finanziell saniert und steht auf „gesunden Füßen“. Die Tilgung des ursprünglichen Kredits aus dem Jahr 1983 über 100.000.- DM erfolgt im Jahr 2003.

Neue Ziele, wie eine elektronische Anzeige, Verbesserungen für das Aufgelegt- und Großkaliberschießen auf dem Langwaffenstand sowie eine zeitgemäße Ausstattung der Küche und ein Biergarten auf dem Gelände der Schießsportanlage sind anvisiert.